
In der Sekundarstufe
Der Übergang hochbegabter Kinder von der Grundschule an die weiterführende Schule ist ein entscheidender Schritt, da sich schulische Anforderungen, soziale Strukturen und Unterrichtsmethoden deutlich verändern.
Hochbegabte Kinder profitieren oft von anspruchsvolleren Lerninhalten und differenzierten Förderangeboten.
Gleichzeitig kann der Wechsel Stress auslösen, etwa durch neue Klassengemeinschaften, größere Klassen und stärker standardisierten Unterricht und häufig deutlich weniger individualisiertem Lernen.
Im Sekundarbereich zeigt sich daher ein ambivalentes Bild:
Andere Kinder glänzen in Lieblingsfächern mit außergewöhnlichen Leistungen und tiefem Verständnis, in anderen Fächern verweigern sie sich, weil sie den Sinn nicht erkennen.
Lehrkräfte nehmen diese begabten Kinder teils als hoch motiviert, teils als anstrengend oder unkonzentriert wahr, eine typische Aussage hier ist: Er/sie könnte viel mehr, wenn er/sie mehr tun würde.
Wieder andere erleben die jahrelange Unterforderung und quälende Langeweile der repetitiven Übungsaufgaben als so belastend, dass sie sich und die Schule aufgeben bis hin zu einer kompletten Schulverweigerung und verbunden mit einem schwer beschädigten Selbstwertgefühl.
Manche hochbegabten Kinder zeigen weiterhin hervorragende Leistungen in allen Fächern, blühen regelrecht auf und absolvieren ihre Schulzeit mit Bravour.
Die Anforderungen in der Schule sind zumindest in Teilen ihrem Potential angemessen, sie bekommen jenseits der Schule durch ihre Freizeitaktivitäten ausreichend intellektuelles Futter wie beispielsweise im Sportverein oder intensives Musizieren. Häufig trifft das auf die angepassteren Mädchen zu. Manchmal leiden diese jedoch im Verborgenen, klagen über Bauch-, Kopf- oder Gliederschmerzen: Das einerseits überlastete, sensible und gleichzeitig unterforderte Nervensystem macht sich bemerkbar.
Der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn und die sprachlich gewandte, unermüdliche Diskutierfreudigkeit stellt nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Lehrkräfte eine besondere Herausforderung dar, die sich in der Pubertät weiter ausprägen kann. Ihre Fragen sind jedoch keine Provokation, sondern Ausdruck von Wissensdurst und einem tiefen Bedürfnis nach Logik und Kohärenz.
Manche Kinder ziehen sich zurück, andere provozieren, um die Leere der Unterforderung zu füllen.
Es besteht die Gefahr, dass die Begabung nicht erkannt, sondern nur das Verhalten kritisiert wird, da die Diskrepanz zwischen Potenzial und schulischem Alltag immer deutlicher wird.
